Seminar für freiheitliche Ordnung
der Kultur, des Staates und der Wirtschaft e.V.

 
 

Schriftenreihe "Fragen der Freiheit"
 

Tätigkeitsbericht 1998/99


Mit den beiden Berichtsjahren ist ein Jahrhundert zu Ende gegangen. Selbst wenn man den Rückblick auf die zweite Hälfte dieses Zeitraums beschränkt, wird deutlich, daß die Proble- me, die eigentlich hätten bewältigt werden müssen, bei weitem nicht gelöst worden sind. 

Zunächst waren zwar mit dem Grundgesetz für den staatlichen und mit der Sozialen Markt- wirtschaft für den wirtschaftlichen Bereich verheißungsvolle Neuanfänge gelungen und die Mitte der fünfziger Jahre einsetzende Vollbeschäftigung schien vielen ebenfalls bald zu den gesicherten Errungenschaften  einer neuen Zeit zu gehören. Aber es zeigte sich doch, daß ohne Überwindung des kapitalistischen Elements auch die Soziale Marktwirtschaft auf Dauer nicht wirklich soziale Verhältnisse gewährleisten kann. Und in Gestalt der ökologi- schen Probleme ereilte uns das Versäumnis, daß weder in der Wissenschaft noch in der Politik die Fragen der Bodenordnung und des Verhältnisses der Menschen zu den übrigen Naturreichen behandelt, beantwortet oder gar zufriedenstellend geregelt worden sind. 

Der bei weitem größte Rückstand ungelöster Probleme, die wir nun ins vor uns liegende Jahrhundert mit hinüberschleppen, besteht jedoch in der nach wie vor unangetasteten und politisch nicht in Frage gestellten Verstaatlichung und Bürokratisierung unseres Bildungs- wesens, das eine am sich entwickelnden Menschen orientierte Pädagogik verhindert und so die Gesellschaft von ihrem Jugend- und Erneuerungspol her austrocknet. So war nicht erstaunlich, daß die letzte unserer Tagungen des vergangenen Jahres, die dem Thema ?Wie kommt das Neue in die Gesellschaft?? gewidmet war, in der Frage nach der Zukunft unseres Bildungswesens ihren eigentlichen Schwerpunkt fand. 
 
 

Währungspolitik

Einen wichtigen Platz im Tagungsgeschehen der beiden vergangenen Jahre hatte wiederum die Währungspolitik. Durch die Einführung des Euro, aber auch durch die von der internat- ionalen Währungsspekulation ausgelösten Wirtschaftskrisen in verschiedenen Teilen der Welt hatten Währungsfragen das Interesse weiter Kreise der Öffentlichkeit auf sich gezo- gen. Mehr in Fachkreisen und hinter vorgehaltener Hand wurde auch über die Gefahr einer weltweiten Deflation gesprochen, wozu die Erinnerung an die 70 Jahre zurückliegende Weltwirtschaftskrise zusätzlichen Anlaß gab. 

Man kann nicht behaupten, daß es hinsichtlich der deflationären Gefahren einer Politik des stabilen Geldwerts einen nennenswerten Erkenntnisfortschritt gäbe. Die Deflation inJapan und mittlerweile auch in anderen Ländern mit ihren sichtbaren Folgen für Geldumlauf, Konjunktur und Beschäftigung halten insbesondere in Europa weder Währungstheoretiker noch Währungspolitiker davon ab, den stabilen Geldwert über alles zu stellen. Wie sehr man sich damit schon lange im Vorhof der Deflation, d.h. auch ohne Sinken des Preisni- veaus in einer quasi-deflatorischen Situation befindet, wird weder wahrgenommen noch befürchtet. Warnungen und Hinweise in diese Richtung scheinen nur von amerikanischen Ökonomen zu kommen. 

Mit den Tagungen Die Zukunft mit dem Euro hat begonnen und Im Vorhof der Deflation haben wir versucht, im Rahmen unserer Möglichkeiten einen  bescheidenen Beitrag zu leisten, um auf die zentrale, in der Eigenart unseres Geldwesens begründete Problematik dieser währungspolitischen Situation hinzuweisen. Ergänzt wurden diese Tagungen durch unser nun schon mehrfach erfolgreich abgehaltenes Elementarseminar Das Geld im Kreislauf der Volkswirtschaft, das wir nicht nur in Bad Boll, sondern auch in der Universität Witten/Herdecke mit überwiegend studentischen Teilnehmern durchführen konnten. 
 


Elementarseminare

Die Reihe unserer Elementarseminare haben wir fortgesetzt durch Veranstaltungen zum Thema 
 

  • Kapital und Arbeit im Unternehmen
  • Die Zukunft des Bildungswesens und 
  • Metamorphosen des Generationenvertrages.


Unternehmensverfassung

Kapital und Arbeit im Unternehmen nimmt aus dem großen Thema Marktwirtschaft ohne Kapitalismus den wichtigen Bereich der Unternehmensverfassung heraus und macht deren Abhängigkeit von der Ausgestaltung des Geldwesens und der Konjunktur, insbesondere aber von der Beschäftigung deutlich. Während man immer wieder die Erfahrung macht, daß die Fragen der Geldordnung vielen Menschen zu abstrakt erscheinen, werden die Auswirkung- en hier, wo die meisten eigene Erfahrungen einbringen können, anschaulich und dem Erle- ben zugänglich. Wenn auf diese Weise die mittel- und langfristigen Auswirkungen einer Geldreform auf einem den Teilnehmern vertrauten Lebensgebiet deutlich werden, so werd- en sie sich wohl auch eher für die Ursachen und damit für das Geldwesen interessieren.

Metamorphosen des Generationenvertrages

Neuland haben wir mit der Tagung zum Thema Metamorphosen des Generationenvertrages betreten. Der methodische Ansatz, bei der Betrachtung der Probleme jeweils die Drei-Ge- nerationen-Familie an  einem Tisch mit der Gesamtgesellschaft zu kontrastieren, hat sich zur Aufhellung der Zusammenhänge sehr bewährt. Ein Rentensystem, das die Illusion nährt, die mittlere Generation könne durch Versorgung der Alten für ihr eigenes Alter vorsorgen, bedeutet, den einzig möglichen Garanten einer Altersversorgung,  nämlich die Kinder, aus der Betrachtung auszublenden und damit übrigens auch faktisch ihr Ansehen in der Gesellschaft zu entwerten. Denselben Effekt hat die Altersvorsorge durch Kapitalbil- dung, die, sobald sie versucht, sich von der Abhängigkeit von der nächsten Generation zu lösen, ebenfalls illusionär ist. Die Tagung soll in einem der nächsten Hefte umfassend dokumentiert werden. Wichtige Beiträge zum Thema wurden bereits in Fragen der Freiheit Heft 248 und 251 abgedruckt. Insbesondere sei auf den grundsätzlichen Beitrag von Professor Suhr in Heft 248 an dieser Stelle noch einmal besonders hingewiesen. 
 


Die Zukunft des Bildungswesens 

Die bildungspolitische Diskussion unserer Zeit krankt nach wie vor daran, daß sie sich zu sehr auf pädagogische statt auf ordnungspolitische Fragen konzentriert oder beides miteinander vermischt. Auch sinnvolle Forderungen wie die nach mehr Autonomie für die einzelne Schule werden aber letztlich in der Umsetzung auf halbem Wege stecken bleiben, solange sie nicht als Teil eines ordnungspolitischen Gesamtkonzepts gesehen werden. Allerdings ist ein solches Konzept ohne wissenschaftliche Grundlage nicht zu haben. Ziel unserer Bemühungen ist es daher vor allem, die Notwendigkeit einer ordnungspolitischen Diskussion der Probleme unseres Bildungswesens bewußt zu machen. Daß hier ein Wissen- schaftszweig kreiert werden muß, der den Bereich von Bildung und Kultur in ähnlicher Weise zu seinem Gegenstand macht, wie dies die Wissenschaft vom Staat seit 2000 Jahren und die Wirtschaftswissenschaft seit 200 Jahren mit ihren Gebieten gemacht haben, diese Einsicht scheint uns vor allem notwendig zu sein. Sie zu vermitteln war Ziel der Tagung Die Zukunft des Bildungswesens - frei von staatlicher Bürokratie und privatem Kommerz.
 


Umweltpolitik

Mit der Tagung ?Wege aus der Umweltkrise? hatten wir den Versuch unternommen, die Beschädigungen der verschiedenen Naturreiche in ihrer ordnungspolitischen Bedingtheit aufzuklären. Dabei wurde deutlich, daß die notwendige Begrenzung der Nutzung der Natur nicht nur eine Frage staatlicher Planung und Festlegung ist, sondern daß die Planung ihrerseits nur zu ausgewogenen, dem Maßstab der Nachhaltigkeit genügenden Ergebnissen führt, wenn sie mit einer ressourcensparenden und gerechten Verteilung der begrenzten Nutzungsrechte einhergeht. M.a.W. die Lösung der ökologischen Probleme setzt die Lösung der Verteilungsprobleme voraus. 

Dieser aus den Überlegungen zur Bodenordnung gewonnene Gedanke erweist sich weiter- führend auch für die Betrachtung anderer Umweltbereiche. Nachdem an der scheinbaren Unauflöslichkeit des Konflikts zwischen Umwelt- und Verteilungszielen die Klimakonfe- renz von Bonn 1999 gescheitert ist, werden wir im November dieses Jahres die Aufnahme- kapazität der Atmosphäre für Emissionen, insbesondere für CO2, in den Mittelpunkt einer Tagung stellen  und an diesem Beispiel die Universalität und Übertragbarkeit der an der Bodenfrage gewonnenen Erkenntnisse ausloten.

Am 29. November 1999 ist Fritz Penserot verstorben. Er gehörte mit den Brüdern Vogel zu den Gründern des Seminars für freiheitliche Ordnung und bis in seine letzten Lebensjahre zu dessen tragenden Säulen. Mit ihm hat uns die letzte, zum engsten Initiativkreis der Gründer- generation gehörende Persönlichkeit noch im alten Jahrhundert verlassen. Noch Heft 249 der Fragen der Freiheit hat er - wie fast alle Hefte bis dahin - korrekturgelesen. Heft 252 ist seinem Andenken gewidmet.

Seit 1998 erscheint das Seminar für freiheitliche Ordnung unter auch im Internet. Einige Beiträge aus Fragen der Freiheit sowie die laufenden Tagungsprogramme sind dort publiziert. Ein Ausbau unseres Auftritts ist in Arbeit. Teilen Sie uns bitte mit, wenn Sie Anregungen zur Verbesserung unserer Selbstdarstellung haben. 
 

Planung der  Veranstaltungen für das Jahr 2000

(bitte anklicken)

Neben diesen Tagungen bieten wir Vorträge und Elementarseminare zum Geldwesen, der Bodenordnung, zu Marktwirtschaft ohne Kapitalismus, dem Bildungswesen, dem Generatio- nenvertrag und der Interdependenz der Ordnungen an. Wir bitten Sie als Leser dieses Tätigkeitsberichts zu überlegen, ob Sie in Ihrem Umkreis die Möglichkeit sehen, eine solche Tagung zu organisieren bzw. bei sich selbst oder bei Ihnen zugänglichen Organi- sationen Vorträge oder Seminare zu vermitteln. Die Vorstandsmitglieder des Seminars sind gern bereit, solche Veranstaltungen unentgeltlich, d.h. lediglich gegen Erstattung der Kosten für Fahrt und Unterkunft zu bestreiten. 

Mit freundlichen Grüßen

Seminar für freiheitliche Ordnung e.V.
 
 
 

   Fritz Andres
(Vorstandsmitglied)


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letzte Änderung am 12.04. 2000