Seminar für freiheitliche Ordnung
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Zwei Nachbemerkungen zum Gutachten
von Fritz Machlup

Fritz Andres



 


Der Untersuchung Machlups seien hier noch zwei Bemerkungen angefügt:
 
 

1. Um die Wirkungen des Patentrechts zu ermitteln, vergleicht Machlup 2 Welten, die sich nur in einem Punkt voneinander unterscheiden: die eine hat ein Patentrecht, die andere nicht (s. Kapitel IV,B). Diese Fragestellung entsprach vermutlich dem Auftrag, der seinem Gutachten zugrunde lag, aber sie ist nicht die einzig mögliche. Allein der Umstand, daß Patente in der Regel Monopolgewinne abwerfen, mit denen die Unternehmen ihre Forschungsabteilungen finanzieren, legt die Frage nahe, ob diese Mittel bei Wegfall des Patentrechts nicht zur Finanzierung einer ganz anders organisierten Forschung beschafft und verwendet werden können.

Man könnte sich in einer Gesellschaft ohne Patentrecht eine produktivere Organisation von Forschung vorstellen als die, die lediglich - wie im Gutachten unterstellt - durch den Wegfall des Patentrechts charakterisiert ist. Eine freie Forschungslandschaft, wie sie im einleitenden Beitrag zu diesem Heft angedeutet wurde, müßte vor allem so organisiert werden, daß sie das forschungspolitische Kernübel des Patentrechts, die Geheimhaltung, überwindet und allein dadurch ganz wesentlich an Produktivität gewinnt. Sicher würde der Wegfall des Patentrechts auch zu einer weitgehenden Aufhebung der heutigen Koppelung von Industrie und Forschung führen. Die Forschung würde wieder in eigenen Einrichtungen stattfinden, ihre Ergebnisse wären für jeden kostenlos zugänglich und verwertbar.
 
 

2. Die zweite, möglicherweise ebenfalls durch den Auftrag für das Gutachten bedingte Punkt, der bei Machlups Untersuchung zu beachten ist, besteht darin, daß er unter den Auswirkungen des Patentrechts fast nur dessen Wirkungen auf den technischen Fortschritt und letztlich auf das Bruttosozialprodukt untersucht. Die konzentrationsfördernde Wirkung des Patentrechts etwa wird daher auch nur unter dem Gesichtspunkt der Effizienz und des Einflusses auf das Bruttosozialprodukt gesehen. Daß wirtschaftliche Macht auch eine politische Dimension hat, bleibt dabei außer Betracht.

Machlup kam unter Beachtung der beiden unter 1. und 2. genannten Beschränkungen bereits zu dem Ergebnis, man könne nicht sagen, ob das Patentrecht den technischen Fortschritt mehr fördere oder hindere. Schon daraus könnte man aus einer Sicht, die sich ?im Zweifel gegen Staatseingriffe? wendet, ein Plädoyer gegen das Patentrecht ableiten. Hebt man dagegen für seine Urteilsbildung die beiden Beschränkungen auf und bezieht man im Rahmen einer Gesamtwertung des Patentwesens auch außerwirtschaftliche Aspekte ein (s. dazu z.B. in diesem Heft S. 7 f., 10 f.), so dürfte klar sein: wir müssen das Patentrecht weltweit so bald wie möglich wieder los werden. Es stellt einen verhängnisvollen Strukturfehler dar, der uns auf dem Weg in die Wissensgesellschaft nur in unabsehbare Verwirrungen und Verstrickungen führen wird.

Allerdings dürfte eins klar sein: Wir werden das Patentrecht mit all seinen schädlichen Auswirkungen erst loswerden, wenn der ordnungspolitische Nachweis gelingt, daß der Bereich der Forschung durch die Entfaltung eines freien Interesses und seine sachgemäße Finanzierung produktiver und den Individuen wie dem Ganzen besser dienend eingerichtet werden kann als heute. Dieser Nachweis wird jedoch mit ausreichender Stringenz erst auf der Grundlage einer Sozialwissenschaft des kulturellen Lebens zu führen sein, deren Möglichkeit und Notwendigkeit bis heute nicht einmal anerkannt ist (siehe dazu Näheres im einleitenden Beitrag S. 5 f., 15 f.). Sie zu begründen und auszuarbeiten wäre eine der wichtigsten wissenschaftlichen Aufgaben der Gegenwart.


 

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letzte Änderung am 01.07.2000